Home > Home >
Kategorie: Startseite

«Bio und regional – das gehört für mich zusammen.»

20.08.16

Im baden-württembergischen Affalterbach, wo Frank Börkircher aufgewachsen ist, waren zwei Wirtschaftszweige prägend: die Landwirtschaft und eine heute weltbekannte Luxusautomanufaktur. Daneben gab es aber auch eine Dorfbäckerei, die schon sein Grossvater, sein Vater und später er selbst geführt haben, und einen hundertjährigen Gemeinde-Holzbackofen. Kein Wunder also, dass Frank sich auch auf dem Burgrain zuhause fühlt.


Man sieht sie vor sich, wie sie vor den Toren der Automanufaktur herumtigerten, Frank und seine Schulkameraden. So etwas Aufregendes wie die aufgedonnerten Mercedes-Schlitten, die ab 1976 aus den Werkstätten der Firma AMG in seiner süddeutschen Heimat rollten, bekam man schliesslich nicht überall zu Gesicht. Frank erinnert sich: «Doch, doch, da schaute man schon gerne hin. Und wir kannten auch die Firmengründer noch persönlich. Die haben ganz klein angefangen und sind dann mit ihren Erfolgen bei Autorennen bekannt und gross geworden». Rennpilot, wie ein paar andere Jungs in seinem Alter, wollte Frank trotzdem nicht werden. Sein Lieblingsort war die Backstube der Dorfbäckerei. Dass er wie sein Grossvater und sein Vater Bäcker werden wollte, stand für ihn früh fest: «Die Schule, die Hausaufgaben, das war nicht so mein Ding. In der Backstube, wo ich schon als Zehnjähriger regelmässig mithalf, gefiel es mir ausgezeichnet. Und Sackgeld gab’s dafür auch noch!». Nach der Schule ging alles ziemlich schnell. Unter anderem dank seiner hervorragenden Zwischenprüfung in der Bäckerlehre durfte er früher an die Gesellenprüfung. In seinem Jahrgang an der Meisterschule in Stuttgart, die er direkt anschloss, war er der Jüngste, der sein Diplom als  Bäckermeister entgegennehmen durfte.

Früher als geplant – dem Vater ging es gesundheitlich nicht gut – übernahm Frank die Leitung der elterlichen Bäckerei. Und er probierte Neues aus. Schon zu Beginn der 1990er Jahre ergänzte er sein Angebot mit Bio-Broten: «Wir hatten im Dorf eine der damals grössten Erzeugergemeinschaften für Bio-Getreide. Das hat mich interessiert. Am liebsten hätte ich schon damals nur noch bio gebacken, aber dafür war die Zeit bei uns auf dem Land noch nicht reif».

In Franks ländlich geprägtem Heimtadorf gab es noch eine weitere Besonderheit, die ihn anzog: Einen Gemeinde-Holzbackofen, der für alle offen stand und auch rege benutzt wurde. «Auf der Suche nach dem bestmöglichen Brot schien mir das eine naheliegende Möglichkeit. So habe ich angefangen, dort zwei Mal in der Woche Brot zu backen, das in meiner Bäckerei in den Verkauf kam». Aus dieser Zeit stammt übrigens auch das Rezept für das «Mathilde-Brot», das es seit kurzem auf dem Burgrain zu kaufen gibt: ein Brot aus UrDinkel, der in der Zentralschweiz produziert und gemahlen wird.

Den Wunsch einmal in die Schweiz zu gehen, hatte Frank schon als Jungbäcker. Auf seinen Töfftouren lernte er nicht nur die Schweizer Alpenpässe kennen. Er stoppte auch bei mancher Bäckerei und wurde immer wieder positiv überrascht: «Richtig gute Brote habe ich da entdeckt, mit einer herrlichen, starken Kruste! Das hat mir Eindruck gemacht». Schliesslich wurde es aber 2013 bis er seine Koffer packte, in die Schweiz zog und sein Handwerk im Luzernischen ausübte. Als er dann vor einem halben Jahr die Stelle bei ‚erlebnis agrovision’ ausgeschrieben sah, hat es bei ihm geklingelt: «Bio und Holzofen, das standen schon im Titel die zwei Schlüsselworte, auf die ich angesprungen bin». Beim Bewerbungsgespräch auf dem Burgrain war sehr schnell klar: «Das passt! Auch deshalb, weil bio und regional  für mich zwingend zusammengehören. Hier auf dem Burgrain kann ich alles verbinden, was mir schon immer wichtig war: mit Mehl, das in der Region produziert und gemahlen wird ein qualitativ hochstehendes, handwerkliches Produkt herstellen».

Dass er seine Arbeit unter den Blicken der Gäste in der Burgrain-Stube macht, war für Frank am Anfang natürlich etwas ungewohnt, «aber jetzt finde ich das klasse. Viele Besucher und Gäste zeigen Interesse und kommen mit Fragen auf mich zu». Ganz zu schweigen von der Begeisterung, die mit Händen zu greifen ist, wenn sich beim Bauernbrunch am Wochenende 100 bis 200 Gäste über das ofenwarme Brot hermachen.